Donnerstag, 9. Juni 2011

University of Essex - Colchester

ESSEX

Mittwoch, 24. November 2010

Fuff IST Jesus

Herr2
Es tut einfach gut, als Gott angesehen zu werden.

Sonntag, 5. September 2010

Adele Addi!

Auf dem Parkplatz vor dem Trierer Rathaus sitzt ein einsamer Mann in seinem grünen, abgewaschenen Bundeswehrparka auf einem so genannten Palestinensertuch, und hält ein Pappschild in die Höhe. Laut skandiert er „Hitler raus!“, was einige Passanten sichtlich irritiert, andere wiederum völlig kalt lässt. Der Mann heißt Alex, ist 23 Jahre jung, Politikstudent aus Berlin, und er ist vor allem Hitler-Hopper.
Hitler-Hopping ist das gezielte Bereisen von Städten, die es sich zum Ziel gesetzt haben, Adolf Hitler posthum zu ächten, indem sie ihm das Ehrenbürgerrecht zu entziehen. Immer noch gibt es in Deutschland hunderte Städte, die Adolf Hitler in der Zeit der Unterwerfung des deutschen Volks durch das Naziregime zum Ehrenbürger ernannten, diesen Schritt aber bisher nicht rückgängig machten. Nun wurde im Zuge der Öffentlichkeitsarbeit der Bundesländer eine neue Welle losgetreten und viele Städte wollen nun, 65 Jahre nach der Befreiung Deutschlands, Hitler loswerden. So auch Trier, welches bereits im Frühjahr 1933 nach einer flammenden Rede des damaligen Bürgermeisters Heinrich Weitz den einstigen Führer ehrte. Auf Ansinnen des SPD-Politikers Christoph Grimm wurde bereits 1979 der Versuch gestartet, dies wieder rückgängig machen, doch wurde dieses Unterfangen vor allem von der CDU und dem OB Champions League Wagner nach einer sehr emotionalen Debatte („Arschloch“ „Wichser“ „Hurensohn“ um nur einige der damals verwendeten Wörter zu nennen) niedergeschmettert. Hitler sollte bleiben.
„Hitler muss weg!“, ruft Alex, als ein schnauzbärtiger Beamter aus dem Rathaus kommt. Der Mann erschrickt und verschwindet sofort wieder zurück ins Amtsgebäude. So muss er auf seine Zigarettenpause verzichten, was seiner Gesundheit wohl zu Gute kommt. Insgesamt sehen die Bürger Alex Alves Arbeit positiv. Ein junges Mädchen bringt ihm etwas zu essen, und ab und an bekommt er sogar etwas Geld zugesteckt, damit er auch mal zum Frisör könne. Manche Passanten erheben sogar die linke Faust und singen „Bella Ciao“, was Alex allerdings stoisch ignoriert, da er zum einen kein Englisch versteht und zum anderen auch nix mit „Kommunistenpack“ zu tun haben will.
Doch nicht jeder ist mit dem Studenten einer Meinung. Eine mit Einkaufstaschen bepackte Rentnerin pirscht sich an, wedelt drohend mit ihrem Schirm, und beschimpft ihn als Netzbeschmutzer. Er zöge das Volk der Deutschen mit seiner Antihaltung in den Dreck. Ein echter Deutscher tue, was man ihm sage, und verhalte sich niemals auch nur im Ansatz kritisch gegenüber seiner Regierung. Als ihr Alex erklärt, dass eben mit jener Attitüde das dritte Reich und die Shoa erst ermöglicht wurden, entgegnet sie ihm, dass sie und die restlichen Deutschen doch gar nichts von den Lagern gewusst hätten. Scimus nos nihil scire!
Innerhalb der gaffenden Leute, die sich um die alte Frau und den Hitlergegner gesammelt haben, fängt plötzlich ein kleiner Junge an zu weinen. Er versteht das alles nicht, denn er ist ja noch ein Kind. „Warum magst du Hitler nicht? Was hat der Mann dir denn getan?“, plärrt er Alex an, der gewohnt sachlich argumentiert: „Dit war ne janz jemeine Person, Kleener. Der hat die Juden umjebracht.“ Die Rentnerin mischt sich ein: „Welche Juden denn? Ick hab hier noch keene jesehn.“ Bevor sie eine Erklärung darbieten kann, warum sie die Berliner Schnauze assimiliert hat, wird es jedoch hektisch. Die Stimmung ist bereits auf dem Siedepunkt, da kommen plötzlich circa 20 Menschen um die Ecke, trommeln Bongos, und singen. Von „Hitler, du Zigeuner“ über „Hitler, wir wissen wo dein Auto stand“, bis zu „Zieht dem Hitler die Lederstiefel aus“ ist jeder Gassenhauer dabei und es herrscht mittlerweile richtige Stadionatmosphäre.
Die Luft riecht süßlich. Ich frage Alex, ob er wisse, was hier vor sich gehen würde. „Dit sind die Spacken vom ASTA, Alter.“, gibt er zu Antwort. Ich bin kurzzeitig verwirrt, da der ASTA scheinbar auch gegen Hitler ist, und dies Alex ja eigentlich gefallen müsste, doch er erklärt mir, dass die Leute vom ASTA alles andere als cool seien. Sie seien „erlebnisorientiert“, was bedeutet, dass die jungen Menschen angeblich auf Rabatz aus sind.
In der Tat, geht es vielen ASTA-Mitgliedern und Sympathisanten nicht immer um fruchtbare Diskussionen, oder konstruktive Kritik, sondern viel mehr um Aufmerksamkeit. Wenn man jüngsten Studien des Institus für ASTA-Studien in Mainesville/Ohio folgt, leiden über 65% aller Beteiligten einer ASTA-Aktion an ADHS, einer psychischen Störung, die sich durch Probleme mit der Aufmerksamkeit sowie Impulsivität und häufig auch Hyperaktivität auszeichnet.
Alex ist sauer. „Die stehln mir hier komplett die Show, mit den scheiß Trommeln. Wie soll ick denn mit meinem Pappschild jegen ankommn?“, sagt er und packt ein ASTA-Mitglied am Schlafittchen. Er rüttelt den Studenten kräftig durch und sammelt das Kleingeld, das herunterfällt darauf ein. „Fürn kleenes Bier, nachm protestieren.“, murmelt er mir zu und zwinkert keck grinsend. Doch das freche Grinsen des Politikstundenten wird durch eine heranrauschende Faust jäh unterbrochen. Alex taumelt aus einer wild gewordenen Menge von aufgebrachten Studenten heraus und fällt zu Boden. Ich bringe mich in Sicherheit, um aus einer respektablen Distanz zu beobachten, ob der Hitler-Hopper den Kampf gegen die Hitler-Feinde überleben wird.
Die Situation scheint nun komplett außer Kontrolle geraten zu sein. Doch zum Glück öffnen sich die Pforten des Rathauses. Der Stadtrat erscheint, um seine Entscheidung zu verkünden. Hitler ist draußen. Der 2. September sollte der Schicksalstag für den Usurpatoren werden. Hitler ist nicht länger Ehrenbürger Triers.
Jubel. Gellende Schreie. Bunte Fahnen. Der mittlerweile brechend gefüllte Parkplatz vorm Trierer Rathaus ist in Ekstase. Es wird gefeiert, geschunkelt, getanzt. Der Kirchenchor Pallien stimmt kurzerhand das Te Deum an. Einige brechen auf um einen Autokorso zu starten. So etwas hat man zuletzt bei der WM gesehen. Der ASTA boxt sich den Weg nach vorne durch. Eine Hitlerfigur aus Pappmaché in Echtgröße wird aufgestellt. Jeder, der möchte darf ihr ein Mal in den Hintern treten. Oder ein Foto mit der Figur machen; je nach Gusto.
Nach einer guten Stunde leert sich der Platz allmählich. Der ASTA hat einen Demonstrationsmarsch für den Frieden, und für die Menschenrechte, und gegen Homophobie , und gegen George W. Bush, und gegen Atomkraftwerke, und für vegetarische Schnitzel, aber gegen Fastfoodrestaurantketten, und Discounter, und auch gegen Amtsmissbrauch, und sogar gegen Kirschstreusel als Nachspeise beim Stammessen in der Mensa gestartet und zieht trommelnd Richtung Universität, wo gegrillt, getanzt, und gesungen werden soll. We shall overcome.
Auch Alex bricht auf. Enttäuscht darüber, dass der ASTA die Aufmerksamkeit mehr auf sich ziehen konnte als er selbst, geht er Richtung Altstadt, um von dem Geld, das er dem „ASTA-Spasta abjezogen“ hat einen trinken zu gehen. Ich habe keine Lust mich zu beteiligen und wähle mit meinem Handy die Telefonnummer eines Taxiunternehmens. Während ich auf das Taxi warte, komme ich ins Gespräch mit einem Straßenfeger, der auf dem vereinsamten Parkplatz den Unrat beseitigt. Verbittert sagt er: „So is dat in Deutschland. Den Hitler baut Scheiße, und wir uffrechten Deutschen dürfen uffräumen.“

Donnerstag, 26. August 2010

Falsche Annahme

Der alte Mann erkundigte sich nach dem Brot inmitten meiner Waren auf dem Band an der Kasse;
es war türkisches Fladenbrot.
Er blickte in blaue Augen und sagte, dass man hier in Deutschland eher dunkles Brot äße;
am liebsten ganz dunkel.
Die Münchener Weißwürste hatte er wohl übersehn.
Er bezahlte seine Waren und verschwand.

Freitag, 4. Dezember 2009

III

Er setzte sich vor den Fernseher und öffnete eine Dose Bier. Er wusste, dass seine Mutter früher oder später zurückkommen würde. Wo sollte sie denn hin? Als er ein wenig betrunken war, hörte er wie jemand zur Tür hereinkam und mit einer nervigen Stimme die Umgebung penetrierte. In unsäglicher Langsamkeit sprach eben diese Stimme davon alles "differenzierter betrachten" zu müssen. Kurz darauf wurde die Ahnung traurige Gewissheit. Seine Schwester war zurück. Er hatte noch nie viel für Hippies übrig gehabt und damals als sich seine Schwester mehr und mehr für diesen Quatsch interessierte ging seine Ablehnung in unverhohlenen Hass über. Seiner Ansicht waren Hippies nichts als verlauste Penner, die sich vor richtiger Arbeit drückten und nur auf Krawall aus waren.
Seine Schwester hatte unerwarteter Weise gute Nachrichten für ihn. Sie erklärte ihm, dass sie nachdem ihr intolerantes Schwein von Vater nun endlich gestorben war auf einen Bauernhof ziehen würde. Obwohl er nicht im geringsten gläubig war, machte dankte er Gott im Stillen dafür. Doch sein Martyrium sollte noch kurz andauern. Seine Schwester setzte zu einer letzten ultimativen Diskussion an und sagte: "Also ich find das jetz echnich cool, dass du hier bleibst und vergammelst. Bei uns aufm Hof würds dir sicher besser gefallen. Komm doch einfach mal mit. Da Leben wir alle in Einklang mit der Natur und voll ohne Zwänge, und so, weiste?" Daraufhin, stürmte sie wutentbrannt aus dem Haus und war nie wieder gesehen.
Trotz des schlechten Wetters ging er an diesem Tage doch noch ein mal vor die Tür. Er hatte nämlich noch etwas zu erledigen.

Mittwoch, 2. Dezember 2009

II

Nachdem seine Erzeugerin wieder zu Hause war, erzählte sie ihm alle Details, die sie vom Tode ihres Vaters wusste. Dieser war angeblich in den Hochofen gefallen und dort verbrannt. Unglaublich erschien diese Geschichte,da sein Vater doch immer so vorsichtig und bedächtig bei der Arbeit gewesen war. Außerdem wusste er dass seine Mutter eine Schwätzerin war, die man ständig darauf überprüfen musste, ob sie nun die Wahrheit sagte, oder die Fakten (oftmals zu ihren Gunsten) etwas manipuliert hatte.
Obwohl das Wetter immer noch grauenhaft war, ging er vor die Tür. Manchmal musste er einfach raus aus diesem Haus, das Verrückte macht. Seine Schwester (der später noch eine prominentere Rolle zuteil werden soll) war eine Schlampe, seine Mutter ein manisch-depressives Lästermaul und sein Vater tot. Nach langem hin und her fand er sich damit ab von nun an das Familienoberhaupt darzustellen. Es war zwar eine zerrüttete Familie, aber wenigstens teilten sie alle noch das selbe Dach und den selben Nachnamen. Dies gab ihm die Hoffnung, die er brauchte um heimzukehren.

Als er den Schlüssel umdrehte und das Haus betrat traute er seinen eigenen Augen kaum. Im Flur herrschte komplettes Chaos. Nicht, dass er diesen Anblick nicht gewohnt war, denn auf sonderliche Ordnung hatte seine Mutter nie Wert gelegt, doch dieses mal war etwas anders. Drei Koffer versperrten ihm nämlich den Weg ins Wohnzimmer und als er sich an ihnen vorbei gekämpft hatte rauschte auch schon seine Mutter an ihm vorbei.
Sie schrie ihn an, dass sie nun verschwinden werde und dass er mit dem Haus glücklich werden solle. Schließlich hätte er ja genau dies gewollt und seinen Vater deswegen in den Tod getrieben. Sie warf ihm noch ein paar eher merkwürdige Sachen vor und schien nun völlig verwirrt zu sein. Nach der Anklage gegen ihren Sohn drehte sie sich um, nahm die Koffer und verschwand.

Dienstag, 1. Dezember 2009

I

Der Regen schien sich heute allein über ihn zu ergießen. Vollkommen durchweicht schlang er schnellen Schrittes seinen untersetzten Körper durch die Gassen der Innenstadt um möglichst schnell nach Hause zu kommen. Für den Rest des Tages hatte er nichts besonderes geplant. Die vom Regen gelb gefärbten Häuser um ihn herum erinnerten ihn jedes mal an die Urin-getränkten Bettlaken, die er als Zivi im Altersheim haufenweise jeden Morgen von den Betten abziehen musste, um sie durch neue, gereinigte zu ersetzen. Er hasste diese Häuser; genauso wie er vollgepisste Betttücher oder Altenheime hasste, oder eben sich selbst und den Regen. Eigentlich mochte er nichts an seiner Heimatstadt wirklich sehr. Es grenzte an ein Wunder, dass er überhaupt noch hier war. Das redete er sich zumindest ein. In Wirklichkeit war er viel zu faul irgendwo anders ein neues Leben zu planen.
Als er endlich zu Hause ankam, ging er direkt ins Bad. Er konnte es sich schließlich keine Pandemie leisten. Deswegen hatte er sich auch in letzter Zeit von Japanern ferngehalten, die er ebenso gering schätzte wie den Regen. Nach der Badeaktion schlurfte er ins Wohnzimmer um es sich vor dem Fernseher bequem zu machen. Nach einer halben Stunde koalierender Schildkröten, klingelte plötzlich das Telefon. An der anderen Ende der Leitung war seine Mutter. Sein Vater war tot.

Montag, 12. Oktober 2009

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